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Unternehmen des Monats: Pfizer entwickelt gemeinsam mit BioNTech den Corona-Impfstoff

26. Januar 2021
pfizer corona impfstoff Bild von loopzn / Adobe Stock

Betrug, Bestechung, Irreführung…Eigentlich soll die Pharmaindustrie Menschen helfen und unserer Gesundheit dienen – dennoch stehen große Konzerne regelmäßig wegen verschiedenster Verfehlungen in der Kritik.

Das zweitgrößte Pharmaunternehmen der Welt sorgte jetzt jedoch für die wahrscheinlich besten Schlagzeilen des vergangenen Jahres: seit Dezember 2020 ist der von Pfizer in Zusammenarbeit mit BioNTech entwickelte Corona-Impfstoff auch in Deutschland zugelassen. Wie es das Unternehmen geschafft hat, in so kurzer Zeit einen wirksamen, sicheren Impfstoff zu entwickeln, erfahren Sie hier.

Zusammenarbeit für schnelle Ergebnisse

Zu Beginn des Jahres 2020 sorgten erste Nachrichten zum Ausbruch des COVID-19-Virus weltweit für Unruhe. Nur kurze Zeit später wurde auch in Deutschland der erste Fall der neuartigen Erkrankung festgestellt. Nach Aussagen des Pfizer CEOs Albert Bourla war dem Unternehmen bereits damals klar, dass die bevorstehende Krise nur gemeinsam bewältigt werden könne. Noch im März präsentierte Pfizer daher seinen Fünf-Punkte-Plan.

In diesem verkündete der Konzern, mit einem kooperativen und offenen Vorgehen möglichst schnell wirksame Impfstoffe und Therapien gegen das Virus entwickeln zu wollen. Um dies zu ermöglichen, erklärte sich der Pharmariese dazu bereit, seine Expertise bei kleineren Forschungsunternehmen mit einzubringen sowie wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse frei zugänglich auf Open-Source-Plattformen bereitzustellen und ungenutzte Forschungs- und Produktionskapazitäten zu teilen.

Entscheidende Kollaboration mit BioNTech

Schon im Februar fand das entscheidende Telefonat zwischen Pfizer und dem Mainzer BioTech-Unternehmen BioNTech statt. BioNTech-Chef Uğur Şahin kontaktierte Kathrin Jansen, die führende Impfstoffentwicklerin des Pfizer-Konzerns. Beide hatten bereits zuvor an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Influenza-Grippe auf Basis einer neuartigen mRNA-Technologie zusammengearbeitet. Das Potential dieser Technologie war schnell erkannt, bereits im März begann die gemeinsame Suche der beiden Konzerne nach einem Impfstoff gegen das COVID-19-Virus.

„Die Bekämpfung der COVID-19-Pandemie erfordert eine beispiellose Zusammenarbeit über das gesamte Innovations-Ökosystem hinweg. Unternehmen schließen sich zusammen und vereinen ihre Fähigkeiten wie nie zuvor“, erklärte damals auch Mikael Dolsten, Chief Scientific Officer und Präsident, Worldwide Research, Development & Medical, Pfizer. „Ich bin stolz auf die Zusammenarbeit von Pfizer mit BioNTech und habe volles Vertrauen in unsere Fähigkeit, die Kraft der Wissenschaft – gemeinsam – zu nutzen, um einen potenziellen Impfstoff zu entwickeln, den die Welt so schnell wie möglich benötigt.“

Pfizer unterstützt BioNTech mit Kapital und Erfahrung

Die mRNA-Plattform des BioTech-Unternehmens BioNTech bildete den Ausgangspunkt der Kooperation, die zur Entwicklung des lang ersehnten Impfstoffes führte. Pfizer unterstützte diese mit seiner Infrastruktur und stellte die nötigen Kapazitäten für die Forschung, Herstellung, Zulassung und den Vertrieb des Impfstoffes bereit. Als etabliertes pharmazeutisches Unternehmen verfügte Pfizer außerdem über die nötige Expertise, um die jeweiligen Impfstoffkandidaten vom Labor bis zur Marktreife zu begleiten.

Im Rahmen der Impfstoffentwicklung übernahm der Konzern so unter anderem die Durchführung umfangreicher klinischer Studien, stellte notwendige Monitoring- und Sicherheitssysteme sowie das nötige Produktionsnetzwerk und überwachte regulatorische Prozesse. Weiterhin erhielt BioNTech von Pfizer auch eine finanzielle Förderung in Höhe von rund 185 Millionen US-Dollar.

Zulassung in Rekordzeit

Im Dezember vergangenen Jahres konnte schließlich der europaweit erste zugelassene COVID-19-Impfstoff durch die europäische Kommission genehmigt werden. Damit setzten Pfizer und BioNTech Rekorde: der neue Corona-Impfstoff ist der erste Impfstoff überhaupt, der mit einer so groß angelegten klinischen Studie (mehr als 40.000 Teilnehmer) entwickelt und in unter 12 Monaten zugelassen wurde. Albert Bourla kommentierte diesen Erfolg folgendermaßen: „Die Zulassung des Impfstoffes gegen COVID-19 markiert einen historischen Moment im Kampf gegen diese tödliche Krankheit. Damit lösen wir unser Versprechen ein, den Menschen einen Impfstoff gegen das Virus zur Verfügung zu stellen.“

Für Peter Albiez, Vorsitzender der Geschäftsführung von Pfizer Deutschland, ist die schnelle Zulassung des Impfstoffes vor allem ein Beweis dafür, was die Pharmaindustrie durch die entsprechende Zusammenarbeit erreichen kann: „Wenig mehr als neun Monate sind seit der Bekanntgabe der Vereinbarung am 17. März vergangen. Das zeigt: Wenn wir unsere Kräfte und Ressourcen bündeln, können wir Außergewöhnliches leisten.”

Impfstoff schützt auch vor Mutationen

Dem aktuellen Forschungsstand zufolge schützt der Impfstoff derzeit vor rund 16 verschiedenen Mutationen des Coronavirus. Laut einer Studie von Pfizer und der University of Texas soll er auch Schutz vor einer der neusten Sars-CoV-2-Mutationen (COVID-19-Mutation B.1.1.7) bieten. Diese soll besonders für Kinder gefährlich sein und wurde zunächst nur in Südafrika und Großbritannien beobachtet – mittlerweile jedoch auch in Teilen Deutschlands.

Pfizer auf einen Blick

Die Pfizer Inc. ist ein börsennotierter Pharmakonzern, dessen Hauptsitz sich in New York City, USA, befindet. Nach Roche ist das von dem Ludwigsburger Charles Pfizer (eigentlich Karl Pfizer) gegründete Pharmaunternehmen das zweitgrößte der Welt.

Mitte 2018 belief sich die gesamte Marktkapitalisierung des Konzerns auf 207,7 Milliarden US-Dollar. Damit gehört Pfizer zu den wertvollsten Unternehmen weltweit.

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