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Persönlichkeit des Monats: Prof. Dr. Ursula Engelen Kefer

11. März 2021
person des monats Foto von Andrey Popov / Adobe Stock

Quengelen-Kefer, Frau DGB, Mrs. Njet – Prof. Dr. Ursula Engelen Kefer ist unter zahlreichen hämischen Spitznamen bekannt. Denn als eine der ersten Frauen, die eine Spitzenposition im deutschen Wirtschaftsleben erlangten, machte sich Engelen Kefer nicht nur Freunde.

Schon früh brach sie in die Männerdomäne Arbeitsmarktpolitik ein und fiel schnell nicht nur durch großes Engagement und exzellente Kenntnisse auf, sondern auch durch ihre Schlagfertigkeit. Mit diplomatischem Geschick und großer Ausdauer setzte sie sich jahrzehntelang für Arbeitnehmer/innen und Arbeitslose sowie die Gleichberechtigung von Frauen in Deutschland ein und legte dabei eine steile Karriere hin – trotz zahlreicher Gegenspieler aus den verschiedensten politischen Lagern.

Leben und Ausbildung

Engelen Kefer wurde am 20. Juni 1943 in Prag geboren und kam mit ihrer Familie nach dem Kriegsende nach Düsseldorf, wo sie zur Schule ging und ihr Abitur machte. Anschließend studierte sie Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln bis zu ihrer Promotion 1970 und arbeitete zunächst einige Jahre als freie Journalistin in New York. 1970 trat die anerkannte Expertin für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Düsseldorf ein.

Der Beginn einer steilen Karriere

Der Einstieg beim DBG war der Beginn eines schwindelerregenden Karriereaufstiegs: Aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen machte sich die promovierte Diplom-Volkswirtin als Referentin für Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarktanalyse schnell einen Namen. 1978 wurde die Arbeitsmarktexpertin vom Gewerkschaftsbund in den Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit geschickt und bremste dort unter großen Bemühungen die Verschärfung der Zumutbarkeitskriterien für Arbeitslose aus.

1984 wurde sie auf Vorschlag der Gewerkschaften als erste Frau zur Vizepräsidentin der Bundesanstalt für Arbeit berufen. Der DGB-Bundeskongress wählte sie sechs Jahre später mit knapp 87 Prozent der Delegiertenstimmen zur stellvertretenden Chefin des Gewerkschaftsbundes.

Beteiligung an der Hartz- und Rürup-Kommission

Engelen Kefer wuchs schnell in ihre neue Rolle als Fachfrau für Sozial- und Arbeitspolitik hinein und wurde für ihre Leistungen in diesem Bereich schon 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Dabei zählten unter anderem die Beteiligung an der Einrichtung der Hartz-Kommission sowie die darauffolgende Erlassung der Harzt-Gesetze zu den Höhepunkten ihrer Karriere – ebenso wie ihre Mitgliedschaft in der sogenannten Rürup-Kommission zur Reform der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.

Auch auf internationaler Ebene war Engelen-Kefer in mehreren Gremien tätig, beispielsweise als Vertretung des DBG auf dem Verwaltungsrat der Internationalen Arbeitsorganisation, als Mitglied im Wirtschafts- und Sozialausschuss der Europäischen Union, dem Beratenden Ausschuss für Europäische Sozialfonds oder dem Exekutivausschuss des Europäischen Gewerkschaftsbundes.

Politische Gegenspieler aus allen Lagern

Im Laufe ihrer Karriere bestritt Engelen Kefer zahlreiche politische Auseinandersetzungen. So beispielsweise im Rahmen der Arbeitsmarkt- und Rentenreform, bei der sie sich mit ihrer festen Haltung gegen die Rente mit 67 Politiker wie Gerhard Schröder (SPD) und Helmut Kohl (CDU) zum Feind machte.

Auch Gewerkschafter wie Frank Bsirske und Jürgen Peters zählten zeitweise zu ihren Gegenspielern, da die Vizepräsidentin des DBG den Gewerkschaftsdachverband soweit wie möglich aus den politischen Machtkämpfen der Einzelgewerkschaften heraushalten wollte und deren taktischen Kurs gegen die Linkspartei und SPD nicht unterstützte. „Ich habe nie nur Visionen verkauft. Ziele muss ich realisieren können.“, steht die mittlerweile 77-jährige noch heute zu ihrer Entscheidung.

Ehrenamt und Lehrtätigkeit

Ihr Widerstand gegen wichtige Gewerkschaftsvorsitzende kostete Engelen Kefer letztendlich auch ihren Posten beim DGB. Am 23. Mai 2006 unterlagt sie auf dem DGB-Bundeskongress in einer von Beobachtern als "Kampfabstimmung" bezeichneten Wahl um den Posten als stellvertretende Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Diese war zuvor von den Vorsitzenden der acht Einzelgewerkschaften vorgeschlagen worden.

Heute engagiert sich die Frau, die als eine der ersten weiblichen Führungskräfte ihrer Zeit 30 Jahre lang die sozialpolitische Landschaft für deutsche Arbeitnehmer/innen mitgestaltet hat, ehrenamtlich beim Sozialverband Deutschland (SoVD) und tritt so nach wie vor für ihre Überzeugungen ein. Erfahrungen aus jahrelanger politischer Arbeit gibt sie außerdem als Professorin an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin und im Rahmen verschiedener Lehraufträge weiter.

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