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Persönlichkeit des Monats: „Mister Volkswagen“ Bernd Osterloh

21. November 2020
bernd osterloh vw Bild von Blickfang/Adobe Stock

In Kürze ist es wieder so weit: bei VW stehen Tarifverhandlungen an. In den kommenden Monaten wollen der Betriebsrat und die IG-Metall im Rahmen der Neuverhandlungen des Haustarifvertrages deutliche Lohnerhöhungen für die Mitarbeiter des Autobauers durchsetzen, nachdem die Laufzeit des letzten Vertrages im Rahmen der Corona-Krise von April auf Dezember verlängert wurde. Wie immer ganz vorn dabei: der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh.

„Wir stehen vor einer herausfordernden Tarifrunde, wie man in der Metallindustrie sieht. Die Corona-Krise hat auch bei VW tiefe Spuren hinterlassen“, so Osterloh. „Gleichzeitig ist aber richtig, dass die Entgelte der Kolleginnen und Kollegen zuletzt im Mai 2018 erhöht worden sind - also vor zweieinhalb Jahren.“

Ein Mann der Superlative

Der verdeckte Regent des VW-Konzerns, Mister Volkswagen, Co-Manager, der mächtigste Arbeiterführer Deutschlands – die Medien überhäufen Bernd Osterloh nur zu gern mit Superlativen. Nicht ohne Grund, schließlich vertritt der Konzern- und Gesamtbetriebsratsvorsitzende die Interessen von fast 700.000 Beschäftigten der Volkswagen AG weltweit. Darüber hinaus ist der 64-jährige außerdem Mitglied des VW-Aufsichtsrates.

In 43 Jahren beim größten Automobilhersteller der Welt hat Osterloh mehr als einen Konzernchef kommen und gehen sehen, sich in zahlreichen Tarifrunden für die Mitarbeiter des Konzerns eingesetzt und sich mit seiner Eigenschaft, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, einen Namen gemacht.

Karriere und Leben

Teil der Volkswagen AG ist Bernd Osterloh bereits seit 1977. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann begann er zunächst als Arbeiter bei VW, kletterte die Betriebsrats-Karriereleiter des Konzerns innerhalb der nächsten Jahre jedoch kontinuierlich hinauf: zunächst als Vertrauensmann der IG Metall, dann als Betriebsratsmitglied (1990) und schließlich als stellvertretender Vorsitz der Arbeitnehmervertretung (2004). Ein Jahr später folgte die Beförderung zum Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzenden.

Möglichkeiten, ins deutlich besser bezahlte Management einzusteigen, gab es eigenen Aussagen zufolge reichlich: „Ich habe das aber immer ausgeschlagen, weil mein Platz nicht auf der Unternehmerseite, sondern auf der Seite der Beschäftigten ist“. Zuletzt schlug er in den Jahren 2014 und 2015 außerdem die Stelle als Konzern-Vorstand aus – trotz eines möglichen Jahresgehalts von 5,5 Millionen Euro.

Kaum ruhige Zeiten für den Arbeitnehmervertreter

Verluste in Russland und Brasilien, eine gewinnschwache VW-Kernmarke, die Diesel-Krise – ruhige Zeiten durfte Osterloh seit seinem Einstieg bei VW kaum erleben. 2006 spielte er eine tragende Rolle beim Sturz Bernd Pischetsrieders, des damaligen VW-Chefs, um die von diesem geplanten radikalen Sanierungswellen im Konzern zu stoppen. 2010 vereitelte er in einem erbitterten Kulturkampf die Übernahme durch den damaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, um den Einzug einer „arbeiterfeindlichen Gesinnung“ zu verhindern: „Das sind Kapitalisten, reine Kapitalisten“, warnte der Arbeitnehmervetreter schon 2008 in einem Interview. „Wir bei VW haben ein anderes Bewusstsein: bei uns arbeiten Menschen.“ Und auch der Sturz des VW-Vorsitzenden Matthias Müller im Jahr 2018 lief nicht ohne den Betriebsratsvorsitzenden ab. Auf ihn folgte – mit Unterstützung Osterlohs – Markenchef Herbert Diess.

In seiner Zeit bei VW setzte sich der 64-jährige konsequent für gegenwärtige und zukünftige Arbeitnehmer ein: „Ich engagiere mich schon heute zum Beispiel für die Volkswagen-Belegschaftsstiftung oder den Regionalverbund für Ausbildung, mit dem wir jährlich 25 bis 30 zusätzliche Ausbildungsplätze in der Region schaffen – gerade auch für Menschen, die eine pädagogische Begleitung brauchen. Die Aktion „Eine Stunde für die Zukunft“ haben wir 1999 aufgebaut, um an allen Standorten weltweit Förderangebote für Kinder voranzutreiben.“ erzählt Osterloh bei einem Interview mit standort38.

Für eine Neuwahl im Jahr 2022 will sich der „ewige Betriebsrat“ des VW-Konzerns zwar noch einmal aufstellen lassen, jedoch nicht die volle Wahlperiode von vier Jahren ausschöpfen. Als Top-Nachfolgerin unterstützt er Daniela Cavallo, die ihm seit 2019 als Stellvertreterin zur Seite steht.

VW in Deutschland und weltweit

Der Volkswagen-Konzern ist der größte Autobauer Europas und einer der führenden Automobilhersteller weltweit. VW betreibt 125 Fertigungsstätten in 20 europäischen Ländern und 11 Ländern Asiens, Amerikas, und Afrikas. Weltweit beschäftigt der Konzern 671.205 Angestellte in der Fahrzeugherstellung, den fahrzeugbezogenen Dienstleistungen oder weiteren Geschäftsfeldern. Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns werden in 153 Ländern angeboten.

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