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Betriebsrat des Monats: Konzernbetriebsrat der IBM Central Holding GmbH erhält den Betriebsrätepreis des Jahres 2021 in der Sonderkategorie „Digitalisierung“

11. February 2022
digitalisierung Bild von Robert Kneschke/Adobe Stock

In der Vergangenheit nahm künstliche Intelligenz (KI) einen immer größeren Stellenwert im Tagesgeschäft der International Business Machines Corporation (IBM) ein. Doch auch KI-Programme sind nicht unfehlbar und machen ihre Entscheidungen von Algorithmen, Datenqualität und Training abhängig. Mit der neuen Konzernbetriebsratsvereinbarung (KBV) zur Einführung und dem Einsatz von Systemen der Künstlichen Intelligenz schuf der Betriebsrat der IBM in Kooperation mit dem Arbeitgeber, Beschäftigten und ver.di ein zuverlässiges Rahmenwerk für den KI-Einsatz im Unternehmen. So konnten nicht nur die Potenziale, die KI-Lösungen bieten, für das Unternehmen nutzbar gemacht werden, sondern auch der Belegschaft ihre Sorgen bezüglich der intelligenten Programme genommen und so die Akzeptanz unter den Mitarbeiter:innen erhöht werden.

Die Vision: mehr Akzeptanz und schnellere Verhandlungen

KI-Systeme werden für eine immer größere Anzahl an Personendatensystemen eingesetzt – so auch bei der IBM. Spätestens, als 2019 ein KI-Programm zur Empfehlung von Gehaltserhöhungen implementiert und eine entsprechende Pilot-Regelung dazu eingeführt wurde, war allen Beteiligten des Unternehmens klar, dass dies nicht die letzte KI-Anwendung bleiben würde. Doch auch KI-Systeme sind fehlbar, ihre Effizienz hängt stark von den verwendeten Algorithmen, der Qualität der Daten sowie dem Training ab. Darüber hinaus muss gerade bei der Verwaltung von Personaldaten garantiert werden können, dass die Programme diskriminierungsfrei agieren und zum Nutzen des Unternehmens sowie der Belegschaft eingesetzt werden.

Da sowohl der Personalbereich als auch der Konzernbetriebsrat der IBM in der Vergangenheit bereits gute Erfahrungen mit einer Rahmenvereinbarung zu konventionellen IT-Programmen machen konnten, sollte diese nun um spezifische KI-Themen ergänzt werden, um durch einen vertrauensvollen Umgang die Qualität der Eingangsdaten zu steigern und die Akzeptanz der KI-Systeme im Betrieb zu erhöhen.

Die innovative Vereinbarung sollte außerdem schnellere, strukturierte Verhandlungen von konkreten KI-Systemen ermöglichen und der IBM zu einer Vorreiterrolle am Markt verhelfen, die dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bietet.

Das Vorgehen: Brainstorming, agiles Design Thinking und gegenseitiger Respekt

Gerade mithilfe der letzteren Argumente konnte der Konzernbetriebsrat die Arbeitgeberseite vom Nutzen der Rahmenvereinbarung überzeugen. Darüber hinaus bot das Gremium an, die Vereinbarung auch den Betriebsräten interessierter Kunden vorzustellen und mit diesen für zusätzlichen Input zu diskutieren.

Gemeinsam mit der Belegschaft und unterstützt durch interne Fachleute bereitete der Betriebsrat das Thema inhaltlich vor. In lösungsorientierten Brainstorming-Sitzungen wurde der Regelungsinhalt gemeinschaftlich und ohne „Lagerbildung“ diskutiert. Vor allem die langjährigen Beziehungen der Verhandlungspartner ermöglichten in diesem Schritt trotz widerstrebender Interessen eine von Respekt und Vertrauen geprägte Atmosphäre.

Mithilfe von agilen Design Thinking Methoden konnten schließlich Erwartungshaltungen und Ziele zusammengefasst werden. „Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen eröffnet vielfältige Chancen und verändert die Arbeitswelt. In Zukunft wird die Unterstützung durch KI-Systeme immer mehr zur Normalität werden. IBM legt daher bei der Einführung von neuen KI-Systemen großen Wert darauf, dass die Daten nach geltenden rechtlichen Regeln erfasst und nach ethischen Prinzipien verwendet werden. Dazu zählen besonders die Transparenz des KI-Systems, die Erklärbarkeit des Ergebnisses, die Fairness der Empfehlung sowie die Sicherstellung menschlicher Entscheidung.“, heißt es in einem Erfahrungsbericht der beiden Verhandlungsführenden, Carmen Hegner und Frank Remers.

Ergebnisse: “Mit menschlicher Intelligenz der künstlichen Intelligenz den Weg bereitet. Nun profitieren beide!” (Frank Remers, Sprecher KBR-Fachausschuss Personaldatensysteme)

Ab März 2020 wurde – aufgrund der Pandemie mithilfe von Videokonferenzen und Collaborations-Tools – schließlich eine gemeinsame Textfassung erarbeitet. Abgeschlossen wurde die Rahmenvereinbarung im Juli 2020. Basierend auf der bereits bestehenden Rahmenbetriebsvereinbarung für herkömmliche IT-Systeme wurden konnten auch für KI-Systeme klare Standards zu folgenden Aspekten gesetzt werden:

  • Transparenz
  • Erklärbarkeit
  • Nicht-Diskriminierung
  • Qualitätssicherung der Daten
  • Qualitätssicherung des Algorithmus

Darüber hinaus wurde vereinbart, dass die KI-Systeme lediglich zur Entscheidungsunterstützung dienen sollen und letztendlich alle Entscheidungen durch Menschen gefällt werden. In diesem Rahmen wurde auch ein Gefährdungsspektrum für die Bewertung der Systeme und ihrer Autonomie (von „spricht lediglich Empfehlungen aus“ bis hin zu „trifft automatische Entscheidungen über Menschen“) entwickelt.

Zu Beratung und Unterstützung bei KI-Entscheidungen wurde darüber hinaus ein KI-Ethik-Rat für IBM in Deutschland gegründet. Dieser setzt sich aus dem Betriebsrat, Personal, internen Fachleuten der KI sowie der Schwerbehindertenvertretung zusammen.

Deutscher Betriebsrätepreis des Jahres 2021 in der Sonderkategorie „Digitalisierung“

Für seinen vorbildlichen Einsatz und die erfolgreiche Ausarbeitung der innovativen Rahmenvereinbarung für den Einsatz von KI-Systemen wurde der Betriebsrat der IBM Central Holding GmbH 2021 mit dem Deutschen Betriebsrätepreis in der Sonderkategorie „Digitalisierung“ ausgezeichnet. Auch Isabel Eder, Abteilungsleiterin Mitbestimmung/Betriebsverfassung bei der IG BCE und Jurymitglied zum nominierten Projekt des Konzernbetriebsrats, lobt die Arbeit des Gremiums:

„Künstliche Intelligenz ist ein wesentlicher Treiber der Transformation. Der Betriebsrat hat mit seinem beispielhaften Projekt jedoch frühzeitig klar gemacht, dass die Akzeptanz für KI durch die Mitarbeiter:innen unverzichtbar ist und damit immer Menschen statt Algorithmen das letzte Worte haben sollten.“

Die International Business Machines Corporation (IBM)

Die International Business Machines Corporation (IBM) ist eines der führenden Unternehmen weltweit für branchenspezifische Dienstleistungen und Lösungen im Bereich Software, Hardware und IT. Im Zentrum der Unternehmensarbeit stehen Künstliche Intelligenz/Business Analytics, das Internet der Dinge (IoT), Quantencomputing, Cloud Computing, Security sowie Blockchain-Technologien.

Das börsennotiere IT- und Beratungsunternehmen hat seinen Sitz im US-amerikanischen Armonk (New York und beschäftigt weltweit mehr als 300.000 Mitarbeiter (ca. 16.500 davon in Deutschland).

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