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Kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung einstellen?

08. February 2022

Lesezeit 1 Minute

Frage: Ein Kollege hat unserer Personalabteilung kürzlich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt, an dessen Wahrheitsgehalt sie Zweifel hatte. Und zwar, weil die Bescheinigung von einer Gynäkologin in einem über 100 km entfernten Ort ausgestellt worden war. Nach einer kurzen Recherche war die Personalabteilung auf den Service eines Hamburger Start-up-Unternehmens gestoßen. Dieses ermöglicht die Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, ohne dass der Arbeitnehmer persönlich von einem Arzt untersucht wurde. Unser Arbeitgeber stellt sich nun auf den Standpunkt, dass die telefonische Krankschreibung nur vom Hausarzt und auch nur befristet möglich ist wegen der Pandemie. Er hat deshalb die Lohnfortzahlung bei dem Kollegen eingestellt. Ist das in Ordnung? Wie ist die Rechtslage?

Beweiskraft von Abeitsunfähigkeitsbescheinigung grundsätzlich sehr hoch

Antwort: Die Beweiskraft von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ist grundsätzlich sehr hoch. Das rührt allerdings daher, dass die Gerichte davon ausgehen, dass der Betroffene von einem Arzt untersucht wurde, der sich ein entsprechendes Bild von der Arbeitsunfähigkeit gemacht hat. Anders sieht es aus, wenn vor der Ausstellung keine persönliche Untersuchung stattfand.

Beim Hamburger Start-up reichen einige Klicks für die Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. In einem solchen Fall ist der grundsätzlich hohe Beweiswert der Bescheinigung beeinträchtigt. Das hat dann zur Folge, dass der Arbeitnehmer im Zweifel weitere Beweise für seine Arbeitsunfähigkeit erbringen muss.

Arbeitgeber kann die Entgeltfortzahlung vorläufig verweigern

Kann Ihr Arbeitgeber davon ausgehen, dass der die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellende Arzt den betroffenen Kollegen nicht persönlich untersucht hat, kann er von ihm einen weiteren Nachweis über die Arbeitsunfähigkeit, z. B. ein Attest des Hausarztes, verlangen. In diesem Fall hat er zudem das Recht, gegenüber dem Betroffenen anzukündigen, dass er die Entgeltfortzahlung bis zur Beibringung eines weiteren Nachweises einstellt.

Im Fall des Hamburger Start-ups ist wohl davon auszugehen, dass Ihr Arbeitgeber mit einer befristeten Einstellung der Lohnfortzahlung erfolgreich sein wird. Raten Sie dem Kollegen, ganz schnell einen zusätzlichen Nachweis seiner Arbeitsunfähigkeit zu erbringen.

Tipp: Ihr Arbeitgeber soll für Klarstellung sorgen

Empfehlen Sie Ihrem Arbeitgeber, noch einmal grundsätzlich klarzustellen, unter welchen Bedingungen er eine telefonisch erteilte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung akzeptiert und dass eine Online-Krankschreibung nicht die Voraussetzungen der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall erfüllt. Auch sollte er darauf hinweisen, dass den Kollegen ggf. eine Abmahnung oder Kündigung droht, wenn sie eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur vortäuschen.

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