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Best-Practice-Beispiele zur Gefährdungsbeurteilung

03. Oktober 2019

In den nächsten Zeilen lesen Sie einige Beispiele, wie eine gute Gefährdungbeurteilung in der Praxis aussehen kann.

Best-Practice-Behörde: Rathaus der Stadt Einbeck

Die Situation: In 9 städtischen Kindertagesstätten arbeiten insgesamt 90 Personen. Aufbauend auf Aktivitäten einer Projektgruppe „Gesunder Betrieb“ wurde zunächst an 2 Kitas ein Pilotprojekt zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen gestartet. Der Betriebsarzt und ein Beamter der Gewerbeaufsicht begleiteten das Projekt.

Die Vorgehensweise: Genutzt wurden Beobachtungen, Interviews und eine schriftliche Mitarbeiterbefragung. Betriebsarzt, Personalrat und Mitglieder der Projektgruppe wurden für die Beobachtungsinterviews geschult.

In Workshops wurden psychische Belastungen dargestellt, beurteilt und nach Verantwortlichkeiten auf die 3 Ebenen Team, Einrichtung und Stadt sortiert. Damit wurden teamspezifische Probleme von einrichtungsspezifischen Problemen und einrichtungsübergreifenden Problemen unterschieden.

Die Umsetzung: Es wurden Prioritäten für Aktionsfelder festgelegt samt Zuständigkeiten für deren Bearbeitung. Für alle 3 Ebenen wurden Aktionspläne erarbeitet, u. a.

†    Verbesserung der Kritikkultur

†    Einführung von Hospitationen und externer Supervision

†    Freistellung für Sonderaufgaben

†    Fortbildungen zur Spezialisierung von Fachkräften

Anhand der gewonnenen Erfahrungen haben alle Kitas der Stadt flächendeckend eine ähnliche Gefährdungsbeurteilung durchgeführt.

Fazit

Anfangs waren viele Beschäftigte skeptisch bis ablehnend, auch die unterschiedlichen Positionen der betrieblichen Sozialpartner erschwerten den Start. Nachdem viele Vorschläge und Maßnahmen die Arbeitssituation verbessern, stehen alle Beteiligten der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen sehr positiv und aufgeschlossen gegenüber.

Best-Practice-Großunternehmen: Volkswagen Nutzfahrzeuge

Die Situation: Am Standort Hannover produzieren ca. 11.500 Mitarbeiter jeden Tag mehr als 600 Transporter. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ist hier Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Die Vorgehensweise: Ein umfassendes Gesundheitsmanagement ist bereits vorhanden. An ausgewählten Arbeitsplätzen wurden Beobachtungsinterviews durchgeführt. Diese erfolgten durch ein Team, welches zuvor eine 3-tägige Schulung erhalten hatte. Erfahrene Arbeitspsychologen der Abteilung Gesundheitswesen unterstützten dieses Team. Die für den Bereich verantwortliche Führungskraft und der Betriebsrat wurden einbezogen. Grundlage war ein von VW entwickeltes eigenes Checklisten-Verfahren.

Die Umsetzung: Erkannte kritische Belastungen wurden durch Experten formuliert und mit der zuständigen Führungskraft besprochen. Gemeinsam wurden Maßnahmen festgelegt. Deren Umsetzungsstand wird an festen Terminen regelmäßig besprochen. Dazu gehören z. B. veränderte Rotationsregeln.

Fazit: Teamarbeit zahlt sich aus

Die Teamarbeit von Experten und betrieblichen Praktikern ist ein Erfolgsmodell. Das Verfahren wird inzwischen standortübergreifend genutzt.

Best-Practice Handwerksbetrieb: Lackplus GmbH

Die Situation:

Der Kfz-Betrieb in Springe bei Hannover beschäftigt 35 Mitarbeiter. Ein Sicherheitsbeauftragter des Betriebs wird auf einer Schulung der Berufsgenossenschaft Metall und Holz (BGHM) auf das Thema aufmerksam. Er geht mit dem von der BGHM entwickelten Selbst-Check zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen zum Betriebsleiter. Dieser entschließt sich, das Instrument seiner BG Im Betrieb anzuwenden.

Die Vorgehensweise:

Unter Anleitung einer Aufsichtsperson der BG wurde eine Mitarbeiterbefragung anhand des Selbst-Checks durchgeführt. Es zeigten sich konkrete Belastungen als Ursache für Stress und Hektik, z. B. Unterbrechungen bei der Arbeit oder unklare Zuständigkeiten und Kompetenzen. Zur Vertiefung wurden anschließend in einzelnen Gruppen (Jung- und Altgesellen, Büro, Führungskräfte) die Ergebnisse besprochen.

Die Umsetzung:

Anhand der ermittelten Belastungssituation wurden Handlungsoptionen und konkrete Maßnahmen erarbeitet, z. B.

†Ein Monitor wurde installiert, welcher die Arbeitsabläufe zwischen Kundenannahme, Werkstatt und Lackiererei besser organisieren hilft und Aufträge mit farbcodierter Priorität für jeden Mitarbeiter ersicht lich darstellt.

†Eine neu eingeführte zweite Führungsebene verbessert die Regelung von Zuständigkeiten.

† Jeder Auszubildende erhält einen festen Ansprechpartner.

Fazit: Alle machen mit

Alle Beschäftigten inklusive der Betriebsleiter waren einbezogen. Es wurden Gründe für Stress und Hektik ermittelt und daraus konkrete Maßnahmen abgeleitet.

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