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Muster-Betriebsvereinbarung über Betriebliche Ausbildung

13. April 2021

Auszubildende benötigen Ihren besonderen Schutz als Betriebsrat und Ihre Fürsorge. Damit ein gutes Ausbildungssystem im Betrieb implementiert und sehr gute Ausbildungsergebnisse erzielt werden können, hilft Ihnen die folgende Muster-Betriebsvereinbarung.

Zwischen der … (Name des Arbeitgebers), vertreten durch …, und dem Betriebsrat der …, vertreten durch den Betriebsratsvorsitzenden, wird folgende Betriebsvereinbarung über die betriebliche Ausbildung geschlossen:

Präambel

Ziel dieser Betriebsvereinbarung ist es, ein fundiertes Ausbildungssystem im Betrieb zu implementieren, um damit ein sehr gutes Ausbildungsergebnis zu sichern.

§ 1 Geltungsbereich

Die Betriebsvereinbarung gilt für alle

gewerblichen, kaufmännischen und technischen Auszubildenden im Sinne des Berufsbildungsgesetzes sowie

alle weiteren zur Berufsbildung beschäftigten Arbeitnehmer

des Unternehmens.

§ 2 Grundsätze

Der Ausbildende verpflichtet sich, jedem Auszubildenden zu Beginn der Berufsausbildung einen Ausbildungsrahmenplan z. B. der Industrie- und Handelskammer zu übergeben und diesen mit ihm zu besprechen. Parallel dazu wird auch ein zeitlich und sachlich gegliederter Ausbildungsplan ausgehändigt und besprochen.

Die erfolgreiche Berufsausbildung im fachlichen und überfachlichen Bereich soll sichergestellt werden. Erste Priorität ist das Erreichen des Ausbildungsziels. Es soll eine qualifizierte berufliche Tätigkeit erlernt werden, die eigenverantwortlich ausgeübt werden kann. Neben den fachlichen werden auch soziale Kompetenzen vermittelt.

Diese Ziele sollen durch Kontrollen des Ausbildungsstands und Förderung der Qualifikation sichergestellt werden. Die Lern- und Qualifikationsziele sind im betrieblichen Ausbildungsplan für die einzelnen Ausbildungsabschnitte festgelegt.

Alle 2 Monate werden Entwicklungsgespräche geführt und aktuelle Arbeitsergebnisse ausgewertet. Ziel ist es, dass jede Partei sehen kann, wo noch nachgeholfen bzw. gefördert werden muss.

Der Auszubildende hat jederzeit das Recht, eine Stellungnahme zum Entwicklungsgespräch oder zu seiner Ausbildung an sich zur Personalakte zu geben. Auf diese Stellungnahme wird der Ausbildende binnen 2 Wochen reagieren.

Das Beschwerderecht nach § 84 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) bleibt hiervon unberührt. Auf Wunsch des Auszubildenden müssen Streitfälle, die sich aus dem Qualifikations- und Förderbogen ergeben, in einer paritätisch besetzten Kommission (Betriebsrat und Ausbildungsleitung) behandelt und geregelt werden.

Fachliche und übergreifende Qualifikationen werden in konkreten Ausbildungssituationen und -aufgaben systematisch zusammengeführt und miteinander verknüpft. Die Inhalte werden dem Azubi vor Augen geführt, er muss sie danach eigenständig durchführen.

§ 3 Beurteilungsgrundlage

Der Ausbildende arbeitet mit Qualifikations- und Förderbogen. Jeder Ausbildungsabschnitt wird auf diesen Bogen festgehalten und beurteilt. Die Azubis werden vor Beginn der Ausbildung über die Grundsätze und das Verfahren mit den Qualifikations- und Förderbogen unter Beteiligung des Betriebsrats (Berufsausbildungsausschusses) sowie der Jugend- und Auszubildendenvertretung informiert. Ein Förderbogen wird mit ihnen beispielhaft durchgegangen und besprochen.

§ 4 Änderungen im Ausbildungsablauf

Sollten Veränderungen im Ausbildungsablauf der Ausbildungsberufe die Formulierung ergänzender Ausbildungsziele notwendig machen, bedarf es hierzu der Zustimmung des Betriebsrats.

§ 5 Ausbilder, Ausbildungsbeauftragte

Alle Ausbildenden, Ausbildungsbeauftragte und direkten Ansprechpartner der Azubis sind dem Betriebsrat zu benennen. Diese benannten Personen treffen sich alle 2 Monate, um den Status der Ausbildungen zu besprechen und ggf. erforderliche Maßnahmen einzuleiten.

§ 6 Fachliche und pädagogische Betreuung der Auszubildenden

Um die Qualität der Ausbildung zu sichern, sollen nur so viele Azubis eingestellt werden, dass die fachliche und pädagogische Betreuung der jungen Menschen nicht leiden. Auf einen Ausbildenden sollen maximal 8 Azubis entfallen.

Die Ausbildungsmittel sind für alle Ausbildungsberufe zu Beginn der Ausbildung und für deren gesamte Dauer vom Arbeitgeber kostenlos zur Verfügung zu stellen.

§ 7 Förderungsmaßnahmen

Hat ein Auszubildender das Lernziel nur teilweise erreicht, müssen von der Ausbildungsleitung Maßnahmen zur Förderung eingeleitet werden. Dies können interne oder externe Nachhilfestunden sein.

§ 8 Aufbewahrung der Qualifikations- und Förderbogen

Die Qualifikations- und Förderbogen werden bis zur Beendigung der Ausbildung aufbewahrt und unmittelbar nach Erreichen des Ausbildungsziels vernichtet.

§ 9 Mitbestimmung des Betriebsrats

§§ 95 bis 98 BetrVG bleiben von diesen Regelungen unberührt.

§ 10 Inkrafttreten und Kündigung

Diese Betriebsvereinbarung tritt am Tag ihrer Unterzeichnung in Kraft und kann jederzeit von jeder Partei schriftlich mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten gekündigt werden. Sie gilt dann bis zum Abschluss einer neuen Regelung fort.

Ort, Datum, Unterschriften

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